8.2.1 Grundlegende Voraussetzungen einer
„persönlichen Erlösung“
- Whiteheads Verneinung einer „persönlichen Erlösung“
Whitehead räumt der panentheistischen Gottheit seiner Prozessmetaphysik weitgehend die Rolle eines „aktiven Teilnehmers, in der Tat eines notwendigen Bestimmers einer jeden wissenschaftlichen Auffassung über die Wirklichkeit..ein [z. B. als mentaler Pol, der die subjektiven Ziele der Individuen festlegt, d. V.]“, denn, so Whitehead, für „.. Gott ist das Konzeptionelle prioritär zum Physischen, für die Welt sind die physischen Pole prioritär zu den konzeptionellen Polen …
Gott ist die unendliche Grundlage aller Geistigkeit.“1 Eine persönliche Erlösung [im Sinne eines Ewigen Lebens, d.V.] hält Whitehead jedoch für geistige Wesen ausser Gott selbst nicht für möglich (vgl. 7.2.4)
Die Verneinung einer „persönlichen Unsterblichkeit“ durch Whitehead widerspricht allerdings der von der holografischen Kosmologie postulierten Option der „persönlichen Erlösung“.
Zudem würde ein panentheistischer Interventionismus, wie Whitehead ihn vertritt, die Möglichkeit einer Offenheit und Variabilität der Evolution der Kosmen des Multiversums (mit jeweils unterschiedlichen Naturkonstanten) einschränken und prädeterminieren. Dies muss eine entwicklungsoffene Ausbildung unterschiedlicher quantenmechanischer Informationsstrukturen auf den kosmologischen Ereignishorizonten geeigneter (De-Sitter) Universen einschränken bzw. verhindern.
2. Optionen einer „persönlichen Erlösung“
Bejaht man hingegen man die Option einer persönlichen Erlösung bewusster, geistiger Entitäten unseres Universums, so erscheint es auf der Grundlage der holografischen Kosmologie plausibel anzunehmen, dass eine „persönlichen Erlösung“ auf der Auslesung der verschränkten Informationsstrukturen, die auf dem beobachterabhängigen kosmologischen De-Sitter Ereignishorizont kausaler Regionen enkodierten sind, basieren müsste. (vgl. 7.3.3).
Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass bisher, andes als bei dem erfolgreichen Nachweis einer holografischen AdS/CFT Dualität (vgl. 5.4.1, 5.5.1 und 5.6.5) der eindeutige Beweis für eine entsprechenden DS/CFT Korrespondenz der asymptotischen De-Sitter Geometrie, noch nicht gelungen ist (vgl. 5.5.6, 5.5.6.1, 5.6.6.2, 5.6.6.3).
Andererseits besitzten Teilräume des globalen De-Sitter Raum (vgl. „kausale Region„) ebenfalls holografische Eigenschaften. (vgl. 5.6.6.6, 5.5.6.2, 5.5.6.3).
Als Voraussetzung für die (erforderliche physikalische „Leere“ einer kausalen Region ) des DE-Sitter-Raumes müsste ein thermisches Gleichgewicht (vgl. 5.6.6.6) betstehen, i.e. das „Ende“ der materiellen und energetischen Entwicklung der individuellen „kausalen Region“ (abgesehen von möglichen Vakuumsfluktuationen) bedeuten.
Das thermische Gleichgewicht soll als weitere Bedingung den Prozesses einer „persönlicher Erlösung“ ermöglichen. Der für die Wiedererweckung der ehemals biologischen Entität, des Beobachters O relevante DE-Sitter Raum der Zukunft ist, wie zuvor dargestellt begrenzt auf eine „kausale Region„ des DeS Raums (vgl. causal patch und ausführlich auf 5.6.6.6) .
Der für eine persönliche Erlösung grundlegende quantenmechanische Prozess stützt sich auf das von Andrew Soltau beschriebene Konzept der Abfolge quantenmechanischer Bezugsrahmens (vgl. 7.3.3.4), i.e. die wechselnden Qualia – Welten eines Beobachters O (vgl. auch 7.3.3).
Die jeweiligen, subjektiven Qualia-Welten ( die nach Soltau individuelle Konstrukte des Bewusstseins eines Beobachters O sind), eröffnen den Zugang zu seiner subjektiven, multi-solipsistischen Erfahrung des Quanten Universums (vgl. Menas Kafatos, 7.3.5, Fussnote 20).
Dieser Zugang des biologischen Beobachters O ist auf seine kausalen Region beschränkt. Sie generiert auch einen Wechsel des subjektiven Zeitempfindens eines Beobachters O (vgl. unten) – Quantenmechanische Veränderungen werden von einem biologischen Beobachter O als Fluss der Zeit wahrgenommen-.
Bejaht man also die Option einer „persönlichen Erlösung“ im Rahmen einer quantenmechanischen Holografie der relevanten DE-Sitter Geometrie („kausale Regionen„), dann eröffnen sich als nächstes eine Reihe von Fragen:
Wie könnte ein kosmisches, quasi-göttliches Agens als Erlöser [vgl. 8.1.2 ] im Rahmen der holografischen Physik und Kosmologie entstehen und worin läge seinee extrinsische oder intrinsische „Motivation„, als „Erlöser“ geistiger Entitäten (und ihrer jeweiligen „Umwelt“) zu handeln? Worin liegt das Wesen einer „persönlichen Erlösung“?
Hinsichtlich der möglichen „Motivation“ eines persönlichen, divinen kosmischen Wesens stellt sich die Frage, ob (christliche) Motive/Werte wie „Güte“, Liebe und „Barmherzigkeit“ für ein Erlösungshandeln maßgebend sind oder nicht nur anthropozentrische Illusionen und letztendlich Motivlosigkeit für ein quasi-göttliches Eingreifen in den physikalischen Prozess sind?
Ist ein Erlösungsprozess nicht vielmehr eher das Ergebnis eines utilitaristischen „Benefits„, der dem Erlöser – Agens selbst zuwächst? (vgl. 8.2.2 („Erlösergott„)
- Artikel „Expansion des Universums“, in: Wikipedia, [Digitale Ausgabe], URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Expansion_des_Universums ↩︎
